Berlin lag in Trümmern, als die erste Undercovermission dieses Blogs im Dienste der Leser bis ins Stadtzentrum vordrang. Alles war menschenleer, zu erforschen gab es da für den Kinointeressierten wenig. Ungleich anspruchsvoller und gefährlicher schien daher das Ziel unser zweiten Undercovermission: Mittelfranken. Allein dorthin zu kommen, stellt selbst den Gutwilligen vor Probleme. Schlichte Gemüter glauben nämlich, Mittelfranken liege zwischen Ober- und Unterfranken. Kenner wissen: dem ist absolut nicht so.
Sieben Berge ließ sich davon nicht abschrecken und stieß bis ins Herz der metaphorischen Kinolandschaft Mittelfranken vor, in die Schund- und Lebkuchenmetropole Nürnberg. Zur Einstimmung ein paar Gesamtansichten der mittelfränkischen Bedeutungslandschaft.
Menschen leben in dieser hoffnungsfernen Landschaft offenbar nicht. Klar erkennbar die Zeichen von Verfall und Verwesung, die über der Szene liegen:
Diese dunklen Wälder im Zwielicht mögen das Rückzugsgebiet eines schund- und genregläubigen Volkes sein:
Gruselig diese beiden Baumgerippe, die an ein mittelfränkisches „Sleepy Hollow“ denken lassen. Im Vergleich wirkt die zerbrechliche Überlandleitung mit einem dünnen Stromkäbelchen als Relikt eine unterlegenen Zivilisation:
Doch wie Frodo sich von keiner Wildnis abschrecken ließ und am Ende im Land Mordor ankam, so erreichte auch ich hinter den dunklen Wäldern das Herz der Finsternis: Nürnberg, eine Stadt, die sich aus vermutlich guten Gründen bis heute hinter einem mittelalterlichen Festungswall verbirgt:
Liegt hier das sagenumwobene ET-Land, wo Schmutz und Schund regieren? Wo Träume eskalieren und Unterhosen platzen?
Sieben Berge schlägt den Kragen seines Trenchcoats hoch und zieht den Schlapphut tiefer ins Gesicht, als er sich einem hoch verdächtigen Zielobjekt nähert. „Akira Kurosawa Retrospektive“ hört sich nach einer unverfänglichen bildungsbürgerlichen Tarnidentität an:
007-B dringt in die geheime Zentrale ein:
Könnte hier die Schnittmenge von metaphorischer und realer Kinolandschaft in Mittelfranken liegen?
„120 Minuten Kinski-Kult“ hören sich schon mal nicht schlecht an:
Doch dann laufen überall schwer beschäftige Mittelfranken umher und 007-B zieht sich schnell zurück.
Was bleibt? Inspiriert betrete ich das nächst gelegene Kaufhaus und kaufe einen Packen Schmutz- und Schundfilme, der demnächst hier auf diesem Blog besprochen wird. So gewappnet wage ich mich ins Freie und betrete das Herz Mordors, wo man offenkundig das Christkindl zu Lebkuchen verarbeitet und ahnungslosen Passanten feilbietet:
Welch ein Glück, dass die Bayern seit 1806 Mittelfranken besetzt halten und dann die A3 bauen ließen, über die ich zügig den Rückzug ins Land der Sieben Berge antrat.
Ende der zweiten Undercovermission.










Immerhin hast du es lebend wieder nach Hause geschafft. Ich kenne niemanden, der es nach Mittelfranken verschlagen hat und davonkam, um davon zu erzählen!
AntwortenLöschenOh Gott! Du warst tatsächlich da, vor unserem Kino!!! Was für eine unheimliche Vorstellung.
AntwortenLöschenUnd just während du da fotografiert hast, fand nebenan auch noch die "linke Literaturmesse" statt. Ein bezeichnendes Timing.
Und hast keinen Versuch unternommen, mich dort aufzuspüren! Du hättest nur nach mir fragen müssen. Ich war vermutlich nur 2 Stockwerke entfernt. Ich bin enttäuscht. Endlich hätten wir uns mit Morgenstern und Lanze stilecht nürnbergerisch duellieren können.
PS: Du unterschlägst, dass die Kurosawa-Retrospektive nur in unserem Partner-Kino läuft und bei uns neben dem "Kinski-Kult" auch noch DRACULA IM SCHLOSS DES SCHRECKENS (der aber gewiss kein Schund ist, siehe mein STB) im Programm war.
Was soll das überhaupt mit diesem ständigen "Schmutz und Schund" neuerdings? Ist das jetzt deine neue Masche, um unsere Signifikanz für dich zu tilgen, oder was? Schuft.
@Flo Lieb: Es war knapp, es war knapp ;)
AntwortenLöschen@Christoph: Ich habe gefragt. Aber entweder gehörten die Leute nicht zum Kino oder wussten nicht Bescheid oder waren in einer "wichtigen Sitzung" in der Bibliothek. Leider hatte ich nur wenig Zeit, denn ich war zwar länger in Mittelfranken, aber nicht direkt in Nürnberg. Erst kurz vor der Rückreise konnte ich 90 Minuten Stadtausflug loseisen.
Da tröstet man sich als Schweizer doch mit dem Gedanken, dass unser Franken hart ist - während die Bewohner des sagenumwobenen ET-Landes wohl wie der junge Mann in "Schulmädchen-Report, 5. Teil" vor dem Spiegel an sich rummachen und wie dieser nicht einmal dort etwas Hartes bewerkstelligen können. Einst war ich vehementer Verfechter eines EU-Beitritts; jetzt freue ich mich über die Insel der harten Seligen, die zu bewohnen ich das Privileg geniesse. :)
AntwortenLöschen???
AntwortenLöschenMir scheint, die fränkisch-schweizer Beziehungen sind etwas verhärtet aus Gründen, die ich nicht ganz mitbekommen habe.
Mir scheint, die fränkisch-schweizer Beziehungen sind etwas verhärtet...
AntwortenLöschenWürdest du dich mit solchen Franken, die sich ständerlos noch in den Ständerat wählen lassen wollen, nicht auch schwer tun? Mit anderen Worten: Was nervt, wird unter Franke abgelegt. :D
Wenn WhoKnows eine Filmkomödie wäre, wäre er POPCORN UND HIMBEEREIS oder SUNSHINE-REGGAE AUF IBIZA.
AntwortenLöschenUnd vor dem Spiegel an sich rumzumachen, ist uncool.
Man beachte die als mittelalterliche Türme getarnten Phallussymbole. Man mag sich gar nicht vorstellen, was da für Kulte gepflegt werden.
AntwortenLöschenWelch ein Glück, dass die Bayern seit 1806 Mittelfranken besetzt halten und dann die A3 bauen ließen, über die ich zügig den Rückzug ins Land der Sieben Berge antrat.
Nach Nordwesten oder Südosten? Es soll ja auch in Holland Berge geben.
Was die schweizerisch-fränkischen Beziehungen angeht: Da hat man extra die Fränkische Schweiz angelegt, und dann sowas! Wie steht es eigentlich mit den schweizerisch-sächsischen Beziehungen?
Mir scheint, die fränkisch-schweizer Beziehungen sind etwas verhärtet aus Gründen, die ich nicht ganz mitbekommen habe.
AntwortenLöschenKonntest du auch nicht, weil der werte Hausherr es vorzog, sämtliche entsprechenden Beiträge unter einer "Rossini"-Kritik zu löschen, ohne dass es einen ersichtlichen Grund oder eine Erklärung dazu gegeben hätte. Und meinerseits handelte es sich dabei lediglich um eine (m.E.) sachliche, freundliche, relativierende und entgegenkommende Aufklärung darüber, warum seine von Christoph lange gar nicht als solche verstandenen, versteckten Bitten um Aufnahme in die (ihrerseits versteckte, veraltete und wohl nicht sonderlich relevante) ET-Linkseite bis dahin nicht aufgegriffen wurden. Als ich dann von Sano noch von einer technischen Macke erfuhr und das erklärend nachschieben wollte, war alles schon weg. Und seither scheint sich der Herr an mal mehr, mal weniger giftigen Sticheleien zu erfreuen. Soviel bei der Gelegenheit nur zum Hintergrund, soweit ich ihn mitbekommen habe. Und ist auch gar nicht als Nachtreten, sondern nur als Klarstellung gedacht. Fand das zwar seinerzeit schlechten Stil und reichlich unhöflich, aber auch nicht so wichtig, um mich größer darüber aufzuregen. Muss jeder selbst wissen, wie er mit seinen Lesern und Kommentatoren umgeht, mir soll's recht sein. Leben und leben lassen. :)
Übrigens befinden (bzw. befanden, in einigen Fällen) sich trotz der fränkischen Stationierung die meisten bei ET hier auch nur im Exil, überlebt haben es bislang alle, und manche von uns kamen sogar auch bereits wieder davon... ;)
AntwortenLöschen@Andreas: Ach, ich glaube die Fixierung auf Mittelfranken kommt bei mir daher, dass ich Christoph am längsten virtuell kenne. Der prägt nun mein Mittelfrankenbild ;)
AntwortenLöschen@Andreas/Whoknows/Christoph: Die Angelegentheit war mir tatsächlich unbekannt. Da sie nun wirklich nicht die Belange meines Blogs oder mich persönlich betrifft, möge sie also bitte bilateral von euch geklärt werden.
Ansonsten sind kontroverse Diskussionen zu Filmen, persönlichen Standpunkten oder Geschmacksausrichtungen natürlich hier wie immer gerne gesehen, wenn nötig auch mit entsprechender Leidenschaft vorgetragen. Dabei halte ich es wie in einem sehr altmodischen englischen Club: Es gibt keine schriftlich fixierten Regeln. Ich gehe einfach davon aus, dass alle Besucher hier über genügend Fantasie und Einsicht verfügen, um zu wissen, was eine interessante und unterhaltsame Diskussion in lockerer Form ist und was nicht.
@Manfrad Polak: Die in dem verlinkten Lied erwähnten Berge gibt er nun allerdings in jeder Großstadt zu bewundern ;)
Nach Nordwesten oder Südosten?
Ich bitte um freundliche Beachtung meines Blogtitelbildes ;)
Und in Sachen Phallussymbole verweise ich auf meinen letzten Besuch in den Tropfsteinhöhlen der Fränkischen Schweiz: Nix wie Stalagmiten und Stalaktiten.
Ne schöne Hommage an die Stadt der Bärenmuttis.
AntwortenLöschenAllerdings sind neue Erkenntnisse ausgeblieben. Brian Fantana war natürlich schon vor Dir undercover dort.
Mir ging's auch eher ums ET- als ums Mittelfrankenbild bzw. die Verbindung von beiden, aber war eh nicht ganz ernst gemeint :)
AntwortenLöschenAnsonsten war es gar nicht meine Absicht, Blog-fremde Angelegenheiten hier hinein tragen, aber nachdem du fragtest, ergriff ich eben die passende Gelegenheit, das zu beantworten und auch insgesamt kurz klarzustellen (weil ich die Kombination "stillschweigende Zensur" und "versteckte, indirekte Sticheleien" etwas unangenehm fand). Mehr gibt's dazu von meiner Seite eigentlich im Moment auch gar nicht zu sagen, eigentlich ist das Ganze auch schon wieder Schnee von gestern und zwei, drei Monate her.
Aber lieber zurück zum eigentlichen Thema, und da schließe ich mich Christophs Verwunderung an, bin aber angesichts dessen (Inspiriert betrete ich das nächst gelegene Kaufhaus und kaufe einen Packen Schmutz- und Schundfilme, der demnächst hier auf diesem Blog besprochen wird.) auch gespannt, ob und was da vielleicht doch noch irgendwann kommt, sofern das nicht auch nur metaphorisch gemeint sein sollte?
@Dirt: Pfff...Belege bitte! Brian Fantana treibt sich doch seit geraumer Zeit in der Weltgeschichte rum und man hört wenig von ihm. Da sind ihm die lohnenden Nahziele wohl etwas aus dem Blick geraten. In diese Undercover-Marktlücke bin ich nun vorgestoßen.
AntwortenLöschen@Andreas: Ach, "Schmutz- und Schund" ist auch nur eine boshaft-polemische Zuspitzung. Ich hoffe, in nächster Zeit Reviews zu einem Vohrer und einem Graf vorlegen zu können. Leider muss ich das unter Vorbehalt sagen, denn Wunsch und Wirklichkeit, bzw. Möglichkeit liegen öfters weit auseinander in diesem Blog.
Okay, es ist auch schon etwas her, dass Brian Fantana dort war. Per se gibt es aber keinen Ort auf der Welt, an dem Brian Fantana noch nicht war. Brian ist der Kolumbus unserer Zeit, ach was sag' ich, der Vasco da Gama!
AntwortenLöschenIm Moment hält er sich in Zwickau auf und muss sich sehr bedeckt halten.
Was viele nicht wissen (weil es viele auch einfach nicht interessiert): Ich war auch schon öfter in Nürnberg. Das dreckigste Bahnhofsklo Deutschlands hab ich da gesehen (warum keine Fotos?); nicht einmal ans Pißbecken hab ich mich getraut und lieber noch die 5 Stunden bis Berlin ausgehalten.
AntwortenLöschenHehe, es ist schön Photos vom geliebten Kommkino im Netz zu finden - und dann auch noch bei anderen Filmliebhabern! :-) Schaukasten und Eingang zum geheiligten Reich: da kommen wieder Erinnerungen hoch...
AntwortenLöschen@Alfons: Das Bahnhofsklo stand nicht unbedingt auf meiner Liste, wohl aber das Kinoklo. Vielleicht hätten sich da rezeptionsästhetisch interessante Sprüche gefunden.
AntwortenLöschenAber a) hatte ich keine Zeit und b) musste ich gerade nicht.
Deine Haltung finde ich artspezifisch und gut: Der Berliner kann nur zuhause so richtig. Dafür nimmt er Opfer in Kauf. 5 Stunden? Das hätte aber mit einer Explosion in Thüringen enden können.
@Sano: Ja, ich habe schon von den aus Mittelfranken entlassenen Eskalatoren gehört. Unvorstellbar, es gibt ein Leben nach Nürnberg :)
"Deine Haltung finde ich artspezifisch und gut: Der Berliner kann nur zuhause so richtig. Dafür nimmt er Opfer in Kauf. 5 Stunden? Das hätte aber mit einer Explosion in Thüringen enden können."
AntwortenLöschenWohl kaum. Die (Unter-)Hose wäre bereits in Nürnberg geplatzt, aber der feige Berliner hat beim Gang durch die bahnhofsnahe Königstorpassage (auf deren Toilette er sich bezieht - die richtige Bahnhofstoilette in Nürnberg ist ein schicker Schuppen, in dem man 1 Euro Eintritt zahlt) schon die steigenden Schwellungen und Ausbeulungen verspürt, die diese sinnliche Stadt im Begriff war, ihm unterzujubeln. Also hat er kurzerhand die Flucht ergriffen, um nicht mit wehenden Hosen und blutendem Herzen ins geliebte Berlin zurückzukehren.
@ Sieben Berge:
PERRAK! Und der Graf?
Vohrer: Perrak - 100 Punkte :)
AntwortenLöschenGraf: Kalter Frühling.
Wie gesagt: Ich hoffe, ich komme in naher Zukunft dazu, jeweils ein Review zu schreiben.
@Christoph: Sicher, daß das vor 10 Jahren auch schon so war?
AntwortenLöschenIch kann mich nämlich nicht erinnern, den Bahnhof je verlassen zu haben - was aber auch an meiner Altersdemenz liegen kann - ist immerhin 10 Jahre her.
Zu meinem Wesen würde es zumindest passen, wegen eines Euros weiterzugehen.
@Alfons: Aus eigener Anschauung kann ich Dir sagen, dass der Nürnberger Hauptbahnhof zu jenen Großstadtbahnhöfen gehört, die in den letzten 10-15 Jahren vollständig erneuert und rundumsaniert wurden (wie auch Hannover, Köln, Mannheim oder Dresden usw.). Es kann also gut sein, dass Du noch den alten Bundesbahn-Siff der Nachkriegszeit erlebt hast.
AntwortenLöschenIn Berlin hat man ja sogar ein völlig neuen Bahnhof gebaut, mitten im Nichts.
Der ist nicht völlig neu - der wer vorher ein völlig unwichtiger S-Bahnhof.
AntwortenLöschenJa mei, da war er bei der Bärenmutti und es kam nicht zur erhofften Begegnung auf... Augenhöhe. Aber Christoph, sei nicht traurig, bei ihrem letzten Berlin-Besuch hatten die Sieben Berge auch keine Zeit. :(
AntwortenLöschenWas is's das für'n Beef mit whoknows? Find ich geil.
@Rajko: Etwas Zeit hätte ich in Berlin schon gehabt, nur habe ich ja vorher nicht gewusst, dass ihr zwischen Weihnachten und Neujahr Zeit habt und überhaupt hat niemand eigentlich einen Versuch gemacht, irgendwas zu koordinieren.
AntwortenLöschenBei meinem Aufenthalt in Mittelfranken hatte ich mich erst spontan vor der Abreise entschieden, für 1,5 Stunden nach Nürnberg rein zu fahren.
Aber: In Mittelfranken bin ich häufiger und das Treffen könnte (vorausgesetzt es gibt keine dramatische ET-Sieben-Berge-Krise) schon in näherer Zukunft stattfinden :)