Freitag, 30. September 2011

Review: The Thirteenth Floor, 1999

Begriffsloses Rumhantieren mit künstlerischen Mitteln und inhaltlichen Versatzstücken führt zumeist ins Nichts, sei es auch noch so professionell angegangen und ausgeführt. Roland Emmerich will drei Jahre am Drehbuch von „The Thirteenth Floor“ gewerkelt haben, um den Stoff „modern zu erzählen“, mit dem Resultat, einen Science-Fiction-Film abgeliefert zu haben, dem jeder Begriff vom Phantastischen fehlt und zudem auch noch das Kunststück vollbringt, Blockbuster- und Arthousekino gleichermaßen zu verfehlen. Daniel F. Galouyes Roman „Simulacron 3“ von 1964 bietet eine zur Entstehungszeit zweifellos originelle Grundidee und eine intelligente Dramaturgie, allein, das bringt nichts, wenn man keine Vorstellung davon hat, warum die Geschichte im Jahr 1999 Bedeutung haben könnte und wert ist, erzählt zu werden.

Wahrscheinlich kann man es sich gar nicht dumm genug vorstellen. Ende der 1990er Jahre galt die virtuelle Realität als das große Ding und Emmerich sah, wie immer hart am Zeitgeist, aber an sich noch nicht verwerflich, das Potential der Geschichte. Andere natürlich auch. 1999 kam es zum Showdown. Die Wachowski-Brüder lieferten mit „Matrix“ einen pseudophilosophisch überambitionierten, aber in spektakulärem Styling und FX-Design daherkommenden Blockbuster, der kommerziell das Rennen machte. David Cronenberg bewies mit „eXistenZ“, dass man aus einem Zeitgeistthema auch mit geringem Budget eine persönliche Vision erschaffen konnte, wenn man konsistente künstlerische Vorstellungen besitzt. Abgeschlagen auf Platz 3 landete „The Thirteenth Floor“, der völlig unpersönlich, künstlerisch flach und trotz erheblichem Budget und professioneller Tricktechnik ziemlich unspektakulär geriet.

Vergleicht man „The Thirteenth Floor“ mit der ersten Verfilmung des Romans von Galouye, nämlich Fassbinders TV-Zweiteiler „Welt am Draht“ von 1973, so tritt das konzeptionelle Unvermögen besonders scharf hervor. Fassbinder erfasst präzise den Kern der Geschichte, nämlich eine Frau (oder, in seinem Falle, mal vorsichtiger formuliert, einem weiblich empfindenden Wesen), die ihrer Liebe entfremdet wurde und in einer Welt völliger Fremdbestimmung versucht, die Wirklichkeit ihres Körpers und seiner Liebesfähigkeit zurückzugewinnen. Fassbinder ist sich der Zusammenhänge von Privatem und Gesellschaftlichem, ja auch der geschichtlichen Dimension stets bewusst. Aber für ihn sind das eben nicht Thesen, die er illustriert, sondern existentielle Wahrnehmungen, denen er einen filmischen Körper gibt. „Welt am Draht“ lässt das Unbehagen in der Bundesrepublik der frühen 1970er Jahre fühlbar werden und weist gleichzeitig weit über seine Entstehungszeit hinaus.

Ähnliches kann man von „The Thirteenth Floor“ nicht behaupten. Der Film setzt ohne jede Idee, warum dies von Bedeutung sein könnte, die virtuelle Welt ins Los Angeles von 1937. Das gibt natürlich die Möglichkeit, mittels CGI eine schön gezauberte Kunstwelt zu erschaffen, nur: Was soll das alles? Wenn man nichts über Los Angeles von 1937 zu erzählen hat, wenn es bloß eine Kulisse bleibt, wozu der Aufwand? Wenn man die zugrunde liegende Liebesgeschichte nur als Aufhänger für die überraschende Schlusspointe begreift, die keinen konstituierenden Charakter für das Weltverständnis hat, dann verpufft der Effekt sofort nach seinem Einsatz. Überhaupt interessiert sich der Film nicht für sein eigenes Thema, der persönlichen und gesellschaftlichen Willensfreiheit. Es bleibt ein rein äußerliches Storykonstrukt, das den lahm inszenierten Thrillerplot am Laufen hält. Die Hauptfiguren könnten in jedem x-beliebigen Durchschnittsthriller mitspielen, nirgends schlägt die ja tatsächlich existentielle Erschütterung, die sie erfahren, auf ihr Wesen durch. Da können auch die guten oder immerhin leidlichen Schauspieler nichts retten, ebenso die gediegene Produktionsqualität.
Vielleicht kommt „The Thirteenth Floor“ ja doch eine gleichnishafte Qualität zu. Nämlich die von einer besinnungslos leer laufenden Industrieproduktion, die ein Ausfluss genau jener gesellschaftlichen Zustände ist, die Fassbinders phantastische Vorstellung 1973 schaudernd ausgemalt hatte.

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19 Kommentare:

  1. Ich freue mich natürlich vor allem über deine Kennzeichnung von "Matrix" als pseudophilosophisch, gebe auch zu, dass "The Thirteenth Floor" bei weitem nicht mit Fassbinders "Welt am Draht" oder Cronenberg mithalten kann. Dennoch mochte ich das kleine Filmchen vielleicht gerade WEGEN der Schauspieler recht gut, hielt lediglich den Schluss (es soll weitere Varianten geben) für völlig misslungen. Ob ich heute - insbesondere nach deinem unverhohlenen Verriss - noch so urteilen würde, vermag ich nicht zu sagen. Muss die DVD wohl nach zwei Sichtungen veschenkt haben, was letztlich auch auf die Belanglosigkeit des Werks hinweist.

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  2. Im Vergleich zum Blockbuster "Matrix" und zu den beiden erheblich schlaueren und bedeutenderen Werken von Fassbinder und Cronenberg kann dieser hier nur verlieren. Ganz richtig. Aber: Ich kann Whoknows nur zustimmen: Ich mochte den Film auch auf irgendeine Weise. Das liegt vermutlich aber am Genre bzw. an der Thematik (Objektive Realität) selbst.

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  3. Ah, zwei Plädoyers für mildernde Umstände ;)

    Meine Sichtung war eine Art Bilanz nach über zehn Jahren, ob sich an der Einschätzung des Films - der auch seinerzeit von der Kritik eher lauwarm empfangen wurde - was geändert hätte. Inzwischen haben auch die genannten Vergleichsfilme "Matrix" und "eXistenZ" ja einen Alterungsprozess hinter sich. "Matrix" fand ich schon damals im Kino inhaltlich pseudooriginell, daran hat sich nichts geändert. Stilistisch hat er sicher im letzten Jahrzehnt eine enorme Wirkung entfaltet, aber auch da scheint mir der Lack ab zu sein. Inzwischen ist das für mich ein durchschnittlicher Actionreißer.

    "eXistenZ" hat sich hingegen recht gut gehalten. Damals habe ich ihn vielleicht etwas überschätzt, aber auch unter heutiger Perspektive noch ein guter Cronenberg, wenn auch nicht unbedingt der stärkste. Der Film war ja - was damals keiner wusste - sowas wie der Abschied Cronenbergs vom phantastischen Film.

    Tja, und "The Thirteenth Floor"? Natürlich ist es zunächst sympathisch, dass der Film nicht mit so einem Geboller wie "Matrix" daherkommt. Die Geschichte wurde auch gut für die Kinolänge gestrafft und ist an sich nach wie vor nicht übel. Verglichen mit dem, was heutige SF-Filme oft an Plot haben, geradezu komplex. Auch wahr. D'Onofrio und Müller-Stahl setzen mit ihren Doppelrollen kleine Glanzlichter, mit Abstrichen auch Mol. Leider ist die Hauptrolle sehr farblos besetzt. Das alles zusammengenommen hätte vor zehn Jahren bei mir noch für eine Wertung im soliden Durchschnittsbereich gereicht.

    Aber: Letztes Jahr habe ich mich ja ausführlich mit Fassbinders Zweiteiler befasst, wobei mir erst die ganzen Möglichkeiten, die in dem Stoff stecken, bewusst geworden sind. Das hat sicher sehr stark gegen "The Thirteenth Floor" gewirkt. Der gute Plot wirkt nicht in seiner Gegenwart geerdet, seine Phantastik berührt nirgends die Welt und die Menschen von 1999. Das bleiben Abziehbilder im Nirgendwo.

    Die versöhnliche Botschaft zum Schluss: Der Film ist sicher kein Hassfilm für mich und auch kein totaler Rohrkrepierer. Für Emmerich-Verhältnisse sogar noch akzeptabel. Aber doch: Eine verpasste Chance.

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  4. Ich schätze den Film auch weitaus mehr, sehe ihn nur knapp hinter eXistenZ, mit dem man ihn aber nicht direkt vergleichen sollte. Der Vorwurf, Matrix sei pseudophilosophisch ist für mich übrigens absolut nicht haltbar, aber ich kann nachvollziehen, dass mancher Zuschauer so über ihn urteilen mag.

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  5. Wie begründest du denn, dass "Matrix" pseudophilosophisch sei?

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  6. Das sind so die Momente, in denen ich nicht in den Schuhen von "Sieben Berge" stecken möchte :unschuldig pfeiff:... ;)

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  7. @Whoknows: Achwo, da blühe ich erst richtig auf ;)

    Ein schneller Griff ins Bücherregal, einen Klafter Philosophie von Platon bis Wittgenstein herausgerissen, gerührt, nicht geschüttelt, fertig ist das Megaposting. Was die Wachowski-Brüder können, kann ich schon lange: "Sofies Welt" mit Krawallaction crossovern.

    Aber einstweilen lockt das schöne Wetter. Ich gehe - weg vom DVD-Spieler - weg von Computer - aus der Wohnhöhle mit den zugezogenen Vorhängen hinaus ins Freie, aus der Sklaverei der Maschinenmatrix, die mir ein schattenhaftes Leben im Blog vorgaukelt, hinaus in die Natur, wo die Sonne... kurz: die Antwort kommt später (@Flo&Anthony) :-)

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  8. So, jetzt die Antwort - Teil 1:

    "Pseudophilosophisch" kann ein polemischer Kampfbegriff sein, mit dem man kruden Unfug und halbgare Lebensweisheiten kennzeichnet. Genau in umgekehrtem Sinne wird der Begriff hingegen von Leuten verwendet, deren Meinungsstärke ihren Kenntnisreichtum und ihre Einsichtsfähigkeit weit übertrifft, um damit alles zu bezeichnen, was jenseits ihrer Borniertheit existiert.

    Beides ist hier aber nicht von mir gemeint, nur um Missverständnisse zu vermeiden.
    Der Begriff "Pseudophilosophisch" kennzeichnet hier genau im engeren Wortsinne den Umgang der Wachowski-Brüder mit der Philosophiegeschichte und den Inhalten der Philosophie. Denn die Wachowskis begnügen sich ja keinesfalls mit ein paar nebenbei abgeriffenen Ideen aus dritter Hand, die in den Dienst eines Actionfilms gestellt werden. Dann könnte man ihnen in dieser Hinsicht keinen Vorwurf machen, sondern sollte rein unter Genreperspektive urteilen.

    Aber die beiden wollten mehr. Die Matrix-Trilogie ist ein Collagewerk, eine irrsinnige Sampleorgie aus allen möglichen Versatzstücken. Sowohl an der Genreoberfläche (nämlich aus der gesamten SF-Geschichte gespickt), wie auch im philosophischen Unterbau (nämlich aus der gesamten Philosophiegeschichte seit Platon gemopst). Collagewerke sind an sich weder schlecht noch gut (z.B. der ganze Tarantino lebt ja davon), es kommt auf die Haltung des Collagierenden zu den Versatzstücken, seine Rekompositonsidee und seine Technik beim Verkleben der Einzelstücke an. Und da fängt es bei den Wachowskis an zu stinken.

    Ihre Welt verdankt sich der Grundannahme aller idealistischen Philosophie seit Platons Höhlengleichnis, gekreuzt mit religiösen und/oder religionsphilosophischen Überlieferungen der jüdisch-christlichen Tradition. Das sind zweieinhalb Jahrtausende metaphysischer Spekulationen, die sich z.T. in gewaltig komplizierten und umfangreichen philosophisch-theologischen Systemvorstellungen manifestiert haben. Wer damit konfrontiert wird, staunt ja zumeist am Anfang nicht schlecht ;)

    Was man davon hält, hängt eben auch vom eigenen weltanschaulichen, philosophischen oder religiösen Standpunkt ab, der eben - da sind wir einer Meinung - sehr unterschiedlich ausfallen kann. Und schlussendlich dann auch das eigene Urteil vom künstlerischen Wert der Matrix-Trilogie und anverwandter Werke beeinflusst.

    Was meine Haltung dazu angeht, so bemängele ich - und das war übrigens ein schon bei der ersten Kinosichtung damals gefühltes Unbehagen - das rein antiquarisch-instrumentelle Verhältnis der Wachowskis zu ihrem philosophischen Second-Hand-Gedankengebäude.

    Weiter in Teil 2 :-)

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  9. Antwort Teil 2:

    Meine Haltung zu diesen philosophisch-theologischen Konstrukten war und ist die, dass man zwar als Europäer in dieser Tradition steht, aber zumindest seit zweihundert Jahren unter den unausweichlichen Einflüssen der kulturellen Moderne steht, die das Verhältnis zum gesamten metaphysischen Denken verändert hat. Heute steht man als Individuum in der Gesellschaft an einem anderen Ort, vom man aus sein Denken und Leben beginnt. Man kommt natürlich nicht aus dem Nichts. All unser Denken und Fühlen ist von unser Herkunft und Umgebung beeinflusst.

    Philosophie nun ist nicht gleich Philosophiegeschichte, sondern sehr banal wörtlich die Liebe zur Weisheit, sprich die Freude am Denken. Am Denken unser gegenwärtigen Existenz. Ältere Philosophie ist nicht "falsch" oder "überholt" an sich, aber sie kann Philosophie nur sein, wenn sie von unserem Ausgangspunkt heute gedacht wird, neu überdacht wird - in welche Richtung auch immer.

    Das Anhäufen alter metaphysischer Konstrukte wirkt auf den ersten Blick respekteinflößend, tiefsinnig und komplex, ist aber eine reine besinnugslose Schaufelei von überlebten Bedeutungsfiguren. Und genau das tun die Wachowskis. Tonnen von abgehalfterter, toter Metaphysik werden als dekorative Wichtigtuereri zusammengekehrt. Da wird bedeutungshubernd so getan, als wäre man nicht in einem Krawallactionblockbuster, sondern im philosophischen Kino, nur leider verhandelt man philosophische Leichen, die mit Lederklüften und Sonnenbrillen auf gegenwärtig gestylt werden.

    Deswegen scheinen mir Cronenberg und Fassbinder soviel künstlerisch bedeutender, sie geben mir das Gefühl, hier werde sich an unserer gegenwärtigen existenziellen Lage abgearbeitet.

    "The Thirteenth Floor" hingegen hat mit dem allen recht wenig zu schaffen. Das ist wirklich nur Unterhaltungskino, das die philosophischen Grundannahmen rein plottechnisch einsetzt, um einen nicht ganz dummen SF-Film zu schaffen. Angenehm erzählt, teilweise schön gestaltet, gediegen geschauspielert, intellektuell nicht überambitioniert, aber eben auch herzlich bieder.

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  10. Ich kann dir trotz deiner Ausführungen nicht ganz folgen. Kannst du Beispiele für "philosophische Leichen" geben, an denen die Wachowksi festhalten?

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  11. @Anthony: Da könnte und müsste jetzt eine sehr lange Antwort kommen, aber das schaff ich dann nicht heute. Also kurz: Das hängt natürlich nicht nur von mir, sondern auch von dir ab, was du als Gegenwart empfindest. Wovon du weltanschaulich, philosophisch und religiös überzeugt bist. Daraus folgt dann, was du als drängende Probleme deiner gegenwärtigen Existenz empfindest. Und daraus wieder, ob dir gewisse künstlerische Konzepte etwas "geben".

    Als Beispiel sei die Figur des Neo herausgegriffen. Ob man eine solche Erlöserfigur so in unserer Zeit konzipieren kann, hängt von der eigenen Einstellung gegenüber der religionsphilosophischen Idee eines "Messias" ab. Von meiner Warte aus halte ich die literarische Konzeption dieser Figur der Wachowskis für albern und pathetisch zugleich. Sie bringt künstlerisch nicht Erhellendes.

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  12. Und welche "Messias"-Figur gibt dir mehr, oder sagen wir, bring etwas Erhellendes? Luke Skywalker, den man grundsätzlich auch als solche lesen kann? Donnie Darko?

    Sind das nicht viel mehr (christlich konnotierte) Analogien, die dennoch auch autonom funktionieren können, ohne den speziellen Glauben zu besitzen?

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  13. Du meine Güte! Da mache ich es mir als alter Heideggerianer einfacher. Für den Mann, der in der Sprache das Läuten der Stille unter dem Schied walten sah, war bekanntlich alles ein Sein zu etwas. - So boten mir etwa die Blähungen während des Kinobesuchs von "Avatar", die in einem befreienden Gang endeten, die Möglichkeit, den Film frei nach Todtnauberg als "Sein zu Scheisse" zu bezeichnen. --- Doch, es hat auch seine Vorteile, sich obskur ver-lauten zu lassen (wobei wir jetzt der Etymologie dieses "Ver-lautens" nicht auch noch nachgehen wollen).

    Und du, lieber Sieben Berge, lässt dir eine solche Arbeit aufhalsen, weil du altmodisch auf das vernünftige Erklären setzt. ;)

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  14. @Anthony: der Vergleich von Neo mit Luke Skywalker scheint nahe zu liegen, zeigt aber vor allem die Unterschiede. Während die Wachowski-Brüder eine metaphysisch-religiös gedachte Messiasfigur konzipierten, entwickelte Lucas eine mythische Figur. Das ist ein gewaltiger, fundamentaler Unterschied. Mythos und Metaphysik sind eben nicht dasselbe. Lucas griff dabei auf die vergleichende Mythenforschung von Joseph Campbell zurück. Luke Skywalker ist ein mythischer Held und kein Messias. (Letztes Jahr hatte ich mir ein Buch von Campbell als Urlaubslektüre gegönnt. Kann ich nur weiter empfehlen. Man gewinnt neue Einsichten in die Star-Wars-Trilogie.)

    @Whoknows: Avatar als Todtnauberg durch den Blaufilter gesehen? Tztz...
    Und dazu entnehme ich deinen Äußerungen, dass der alte Mesmersohn aus Meßkirch als alemannischer Regionalphilosoph sogar die moderne schweizer Filmkritik beeinflusst ;)

    Und langsam habe ich wirklich den Eindruck, man drängt mich in die Rolle des altmodischen Vernunftpredigers, der in seinem Kanongehäuse aus massivem Kalkstein sitzt ;)

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  15. @Sieben Berge
    Falls es dich tröstet: Meine spöttische Heidegger-Huldigung, mit der ich noch lange werde hausieren gehen, war seinerzeit gegen jemanden gerichtet, der sich etwas darauf einbildete, weil er der Dekonstruktion huldigt. :) - Unser Blog erhielt nicht einfach so den Zusatztitel "Film und Kontext": Wir wollen auch vernünftig sein. Du hast also Verbündete, die deine "Matrix"-Schelte mit Genuss in sich aufsaugen.

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  16. Unterschied metaphysische und mythische Figur, uff, da müsste ich mir erst Gedanken machen, bevor ich hier mein Senf dazu gebe. :-)

    Wie heißt denn das Buch von J.C.?

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  17. Also das einflussreichste Buch, das Campbell geschrieben hat, ist sicher "Der Heros in tausend Gestalten (Hero with a Thousand Faces)". Das hat Lucas auch beeinflusst. Als Taschenbuch preisgünstig überall zu bekommen. Es hat allerdings 450 Seiten und setzt schon ein gewisses Interesse voraus. Mir persönlich schien "Die Kraft der Mythen" einen leichteren Zugang zu bieten. Das ist ein Band mit Interviews, die systematisch mit Joseph Campbell gegen Ende seines Lebens geführt wurden. Dort gibt er Einblicke in sein Gesamtwerk und erörtert anschaulich im Gepräch alle wichtigen Gedankenfiguren, die ihn ein Leben lang umgetrieben haben.

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  18. Wie oben schon angedeutet, kann ich deine Haltung (und Argumentation) nachvollziehen, halte sie in ihrer Summe jedoch immer noch, wenn nicht sogar nun noch mehr, für nicht - oder sagen wir gerechtfertigter Weise: kaum - haltbar. Hätte ich anno dazumal nicht einen Großteil meiner umfangreichen (Literatur-)Notizen verloren, könnte ich mit einem Essay zu Matrix dagegenhalten. Wobei das vermutlich nur eine Art 'Reboot' unsere differenzierten Sicht zu 300 darstellen würde.

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  19. @Flo Lieb: Man muss ja auch nicht zu einer gemeinsamen Sicht der Dinge kommen, aber wenn jeder seine Positionen zumindest so weit argumentativ verdeutlicht, dass sie auch anderen erkennbar werden, ist schon einiges gewonnen. Gut, sagen wir also: ich nehme deine abweichende Meinung zur Kenntnis und hoffe, du findest irgendwann mal Gelegenheit, deine Argumente bei dir auf dem Blog gebündelt - vielleicht anlässlich einer künftigen Sichtung - neu zu sammeln und auszubreiten. Muss ja nicht heute oder morgen sein. So etwas wächst von allein. Und hier ist ja eh nur der Kommentarteil eines Reviews zu "The Thirteenth Floor" ;) Von mir aus werde ich in nächster Zeit die Matrix-Trilogie vermutlich nicht sichten und Reviews schreiben - insofern warte ich gerne und geduldig bis jemand neue Argumente vorlegt, die mich dann selbst wieder anregen.

    Außerdem gibt's ja noch viele andere Filme, über die man unterschiedlicher Meinung sein kann ;)

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