Ungläubig registriert mein Gehirn, was meine Augen sehen, nämlich dass meine Hände gerade folgenden Satz schreiben: „The Social Network“ ist der erste ernsthaft diskutable Film von David Fincher. Nicht ohne Schwächen, aber endlich mal inhaltlich und formal keine halbstarke Kraftmeierei oder pseudoästhetische Oscarkunstüberanstrengung.
Meine Hitchcock-Werkschau führte diesen Monat zur ersten Wertungsrevision.
Im April noch habe ich Psycho nur mit 80% bedacht. Vielleicht, weil die unfassbar breite Rezeption des Films seine Leistungen oberflächlich betrachtet zum Allgemeingut gemacht haben. Jetzt, aus der Perspektive der Werkschau fallen der Mut und die Originalität Hitchcocks weitaus stärker ins Auge. Wie er gegenüber seinem bisherigen Werk eine Absetzbewegung vornimmt und wahrhaft unbekanntes Land ergründet. Klare 90%. Tragischerweise auch seine letzte wirklich große Leistung. Denn...
The Birds haben, trotz ihres gigantischen Erfolges, ihrer unzweifelhaften thematischen und technischen Innovationen, doch Grenzen, die heute stärker fühlbar geworden sind. Fast scheint es, als begönne schon hier die psychologisch-symbolische Bildsprache Hitchcocks an Tiefenschärfe zu verlieren. Wenn ich denke, wie mich einst als Jugendlicher dieser Film bei der Erstsichtung beeindruckt hatte, dann fielen die letzten Wiederbegegnungen etwas gedämpfter aus. Immer noch gut, aber...
Saboteur steht etwa in der Mitte zwischen den thematisch verwandten Filmen „The 39 Steps“ und „North by Northwest“, nicht nur zeitlich, auch qualitativ. Trotz einiger schöner Szenen rumpelt das Drehbuch öfters hörbar, zudem tritt das Anliegen an vielen Stellen - typisch für Filme der Kriegszeit – etwas plakativ hervor. Aber dem interessanten bis irritierenden Killer wird ein würdiges Ende bereitet, an höchst symbolischem Orte.
Shadow of a Doubt gehört zu den Filmen, die Hitchcock selbst am meisten schätzte. Ein Hinweis darauf, dass die Selbsteinschätzung von Künstlern eben auch nur eine von vielen anderen Perspektiven auf das Werk ist, nicht immer die historisch tragfähigste. Trotz einer guten Grundidee, eines wundervoll sinistren Joseph Cotten als „freundlichem“ Onkel, erreicht dieser Film noch nicht ganz die hintergründige Höhe der Meisterwerke aus den fünfziger Jahren. Trotzdem natürlich schon sehr spannend und gut.
Under Capricorn würde wohl ohne Vorwissen von praktisch niemandem für einen Hitchcock gehalten. Dies Untypische kann man allerdings nicht als negatives Qualitätskriterium auslegen, wie es manche tun, da es wohl kaum legitim ist, ein Kunstwerk am stereotypen Bild seines Schöpfers zu messen. Leider gibt es auch einige sehr berechtigte Kritikpunkte: vor allem das schwerfällige Drehbuch, das sehr langsam in Gang kommt und viele der zum Verständnis notwenigen Rückblenden umständlich von den Figuren erzählen lässt. Die Idee des im Australien von 1830 angesiedelten Kostümfilms, dass diese britische Kolonie aus deportierten und später freigelassenen Sträflingen besteht, die alle ihre Vergangenheit zu verbergen haben, ist auf den zweiten Blick gar nicht so unhitchcockisch. Das Drehbuch schöpft die gesellschaftlichen und psychologischen Konflikte nicht annähernd aus und leistet sich vor allem bei der Auflösung schlicht und einfach handwerkliche Fehler. Trotzdem: kompetent mit Ingrid Bergmann und Joseph Cotten besetzt, hat der Film seine Reize, bleibt im Ganzen aber eher ein Liebhaberstück.
Und sonst?
Die Abenteuer des Prinzen Achmed ist der erste überlieferte abendfüllende Animationsfilm, entstanden 1923-26 in Deutschland. Trotzdem ist der Film hinter den frühen Disney-Werken fast im Unbekannten verschollen, da er sich der Silhouettentechnik bedient, die nie über eine Nebenlinie der Kinogeschichte hinauskam. Das schmälert die künstlerische Leistung seiner Schöpferin Lotte Reiniger überhaupt nicht, deren Scherenschnitte sich in ihrer Verspieltheit eher den filigranen, vegetabilen Linien der Märchenbuchillustrationen des Jugendstils annähern und nur gelegentlich expressionistische Formensprache bemühen. Der Film erinnert in seiner Wirkung an die Bühnen des Schattentheaters, seine abstrahierende Schwarzweiß-Kunst lässt der Phantasie und der Poesie dieses Märchens aus 1001 Nacht ihren Raum.
High Society kann mit großartigen Musikern wie Frank Sinatra, Bing Crosby und Louis Armstrong glänzen, die sehr schöne Songs von Cole Porter interpretieren, zudem noch veredelt durch den letzten Auftritt von Grace Kelly. Allein die filmische Inszenierung hält damit nicht Schritt, so dass die statische und biedere Regie von Charles Walters das Filmmusical im Durchschnitt enden lässt.
Die Teuflischen: Wer Filme nicht nur zum Herzerwärmen schaut, sondern in der Formstrenge und lateinischen Kühle die offensichtliche künstlerische (und verborgene menschliche) Größe erkennen kann, für den dürfte es kaum stimmigere Krimis geben, als die von Jean-Pierre Melville. Einfach Klasse. Punkt.
Elf Uhr Nachts: Auch Skeptiker wie ich werden nie die enorme historische Wirksamkeit des Godardschen Kino in den sechziger Jahren abstreiten, allein ihretwegen lohnt die Beschäftigung mit seinen Filmen. Ihr vermeintlich progressiver Ansatz, der tatsächlich aber auf einem verfehlten, weil missverstandenem Avantgardebegriff beruhte, der im Grunde schon damals überholt war, macht sie bis heute zum idealen, schauderhaft analysierbaren Proseminarstoff, den manche Leute auch in ihrem postgraduierten Feuilletonistenleben noch für große Kunst halten. Ein Satz nur: „Poetischer Genuß unter Kopfbrechen ist unmöglich“ (Schopenhauer).
The Social Network
(USA 2010, David Fincher) 75%
Saboteure (Saboteur)
(USA 1942, Alfred Hitchcock) 70%
Im Schatten des Zweifels (Shadow of a Doubt)
(USA 1943, Alfred Hitchcock) 75%
Sklavin des Herzens (Under Capricorn)
(GB 1949, Alfred Hitchcock) 60%
Psycho
(USA 1960, Alfred Hitchcock) 90%
Die Vögel (The Birds)
(USA 1963, Alfred Hitchcock) 80%
Die Abenteuer des Prinzen Achmed
(D 1926, Carl Koch, Lotte Reiniger) 75%
M – Eine Stadt sucht einen Mörder
(D 1931, Fritz Lang) 85%
La Strada
(I 1954, Federico Fellini) 80%
Die oberen Zehntausend (High Society)
(USA 1956, Charles Walters) 60%
Der Teufel mit der weißen Weste (Le Doulos)
(F / I 1962, Jean-Pierre Melville) 90%
Elf Uhr Nachts (Pierrot le fou)
(F / I 1965, Jean-Luc Godard) 60%
Die Dinge des Lebens (Les choses de la vie)
(F / I / CH 1970, Claude Sautet) 75%
Der Löwe im Winter (The Lion in Winter)
(GB 1968, Anthony Harvey) 80%
Die Goonies (The Goonies)
(USA 1985, Richard Donner) 75%
Breakfast Club – Der Frühstücksclub (The Breakfast Club)
(USA 1985, John Hughes) 85%
Hulk
(USA 2003, Ang Lee) 80%
Harry Potter und der Orden des Phönix (Harry Potter and the Order of the Phoenix)
(GB / USA 2007, David Yates) 60%
Frau mit Hund sucht Mann mit Herz (Must Love Dogs)
(USA 2005, Gary David Goldberg) 60%
Maria, ihm schmeckt’s nicht!
(D / I 2009, Neele Vollmar) 55%
Den sicher recht schönen, aber extrem angestaubten 80er-Kolorit BREAKFAST CLUB über die zeitlose und bewegende Außenseiter-Reflexion LA STRADA zu heben finde ich ja recht... mutig.
AntwortenLöschenWarum bekommt denn Mainstream-Quatsch wie MUST LOVE DOGS immer noch gute 60%? Das sieht, vor allem angesichts deiner sonst sehr Kanon-lastigen Titel in der Auflistung, irgendwie komisch aus.
Im Grunde waltet hier das bekannte Perspektiv- und Maßstabsproblem.
AntwortenLöschenDass John Hughes am Ende in der Gesamtschau wohl nur ein Kleinmeister war, gebe ich sofort zu, das "angestaubt" leider auch, ja. Das "extrem" gibt mir indes einen Stich, ich fühle mich noch zehnmal älter als ich bin ;) Aus meiner Generationsperspektive sehe ich mich eben dem Zeitkolorit nicht so "fern" wie du. Über 5%+- können wir feilschen, mehr nicht :P
Die Relation zu "La Strada" stellt im direkten Vergleich zu "Breakfast Club" tatsächlich ein Problem dar. Hier - wie auch in den anderen von dir monierten Fällen - erhebt sich eher die Frage nach dem angemessenen Bezugssystem. Sollte ich komplett alle Filme von einer extrem hohen Kunstwarte (sozusagen im Angesicht der Ewigkeit) aus beurteilen, dann spielten sich größere Teile des aktuellen (wie auch des historischen) Kinogeschehens irgendwo zwischen 10 und 20 % ab. Also wird hier gelegentlich sozusagen der Maßstabsschalter umgelegt, um etwas näher an ein Genre heranzurücken und dann wieder die Notenskala auszunützen.
Als Richter am jüngsten Tag könnte man selbstverständlich umstandslos konstatieren, dass der Fellini-Komplex ungleich gewichtiger ist als der gesamte Hughes.
Hier darf man die 80% von "La Strada" eher als Abstandsmarkierung zu den 100% für "Achteinhalb" vom Vormonat auffassen.
Analog dazu leg ich jetzt auch noch ein Plädoyer für meine RomCom-Ecke ein (hätte nie gedacht, jemals derartiges tun zu müssen/wollen). Natürlich sind "Maria, ihm schmeckt's nicht!" und "Must Love Dogs" ohne Beschönigung "Mainstream-Quatsch". Ersterer Film bemüht sich aber, einem arg klischeebelasteten Thema (deutsch-italienische Stereotypwahrnehmungen) durch das Transpararentmachen der gegenseitigen, eingeschränkten Perspektivität, einen durchaus unverächtlichen Zugang abzugewinnen.
"Must Love Dogs" blickt zugegeben keinen Zoll über das RomCom-Reißbrett, reproduziert die Genreformeln aber angenehm entspannt und gekonnt, wobei man sich (durch die Ironisierung der Internet-Datings) um Zeitgenossenschaft bemüht. Diane Lane und John Cusack harmonieren auch ganz gut, also: gehobener Durchschnitt. 60%. So what?
Jetzt könntest du natürlich jupitergleich Blitze schleudern vom Wolkenthron, aber der steht auf wackeligen Füßen. So hart und konsequent bist du nämlich auch nicht, Mr. "High-School-Musical-3-70%-Geber" Vega ;)
Und daran ist auch nichts Schlechtes, denn kühle apollinische Geschmacksimperien bedürfen dionysischer Aus- und Abschweifungen, für die man zeitweilig den Hintern vom Olymp lüftet, sonst bleibt ein kalkweißer Skulpturenpark des Professorenklassizismus das einzige Heim.
Deswegen verweile ich lieber ab und an in der Shermer-Highschool und du im Lager der Ewoks.
Man sollte sich aber der jeweiligen Argumentationszusammenhänge und Maßstäblichkeiten bewusst sein, das schon.
Das weißt du natürlich alles. Aber ich war gerade auf der Kanzel;)
Ich mag dich wirklich sehr gern.
AntwortenLöschen(für das Auspacken der HSM3-Rute gibt's aber noch was von mir zurück beizeiten^^)
Filmbewertungen genreübergreifend einem Maßstab anzupassen ist nicht nur fast unmöglich, wo doch schon die Grenze zwischen Kunstfilm und Mainstream eine zumeist eindeutige, in nicht wenigen Fällen aber verschwommene ist, sondern auch eine meines Erachtens nicht richtige. Wie sollte das funktionieren, relevante Bewertungsparameter wie beispielsweise den historischen Kontext (sowohl der der Welt- als auch Filmgeschichte) oder den Fortschritt oder besser Stand der (zeitgemäßen) Technik auf eine Ebene zu stellen.
AntwortenLöschenOhnehin sind diese Zahlen (oder hier Prozente) sowieso und immer auch sehr schwierig zu beurteilen und einzuordnen. Und manchmal sogar ein Widerspruch zum Text, was aber, so vermute ich, immer auch kompliziert ist, wo man eine subjektive Wahrnehmung (i.d.R.) objektiv wiedergeben möchte.
Eben, eben, das Problematische aller Benotungen liegt ja nicht nur an den Maßstabsgrößen an sich, sondern an der Vielzahl der einfließenden, sich ganz unterschiedlich konstiuierenden Bewertungskriterien. Genreunterschiede sind eine, die von dir angesprochene Berücksichtigung historischer Kontexte ein andere Sache.
AntwortenLöschenMan könnte noch weiteres aufzählen, wie etwa das gesamte Trashproblem, für das auch jeder eine unterschiedliche Formel hat. Es soll ja Blogs geben, die widmen sich mit Hingabe der Entwicklung höchst eigenwilliger Trashkategorien ;)
Um es abzukürzen: Jeder, der solche Listen erstellt oder hier eben liest und kommentiert, sollte sich ihres komplex bedingten, ebenso problematischen, wie aber auch orientierenden Charakters klar sein. Und meinetwegen zum Anlass höherer oder niederer Selbst- und Gemeinschaftsbelustigung nehmen. Es sind keine religionsstiftenden Texte ;)
Aus diesem Grunde klaffen (oder scheinen zumindest) Text und Note zuweilen auseinander.
Manchmal konkretisiert sich die ihrem Ursprung nach begriffs- und zahlenlose ästhetische Vorstellung von einem Film auf seltsamen Wegen anders in der Sprache als in einer Zahl.
Sowas hat natürlich auch Gründe in den Vorlieben und Abneigungen eines Schreibers. Je besser man einen anderen Schreiber kennt, desto erhellender die Listen, da in vielen Benotungen unausgesprochene Kontexte mitschwingen, die sich nur durch Vorwissen herausahnen lassen.
Zum Ausklang noch dieses: Ich bemühe mich, die manchmal schwer- bis unverständlichen Eindrücke, die einige Filme bei mir hinterlassen, trotzdem klar und diskussionsfähig hier auszubreiten, meine Kriterien zu verdeutlichen. Die Länge der Texte bemisst sich neben äußeren Umständen (Zeit und Lust) hauptsächlich an meinem Gefühl, an einem gewissen Punkt deutlich genug geworden zu sein. Nicht für alle Leser zu allen Fragen, aber einer virtuell vermuteten gutwilligen Leserschaft gegenüber.
Entgegen dem Anschein muss das nicht nur längere skrupelöse Abhandlungen bedeuten. Manchmal saust das Fallbeil auch hart, schnell und unfair nieder. Und sowieso: Am Bundeswillkürtag lass ich 23 Schuss Salut schiessen :)
Ich registriere übrigens auch ungläubig deine Meinung zu einigen Fincher-Werken... ;)
AntwortenLöschen"Kraftmeierei" wäre mir bei einem Film wie Fight Club z.B. vermutlich zu kurz gegriffen..aber das war sicher eh schonmal Thema.. :)
"Kraftmeierei" ist ein sehr polemischer Begriff, um ein gewisse künstlerische Haltung zu kennzeichnen, eine bestimmte Art des Umgangs mit den gestalterischen Mitteln.
AntwortenLöschenSpeziell bei Fight Club z.B. hat es auf einer ersten inhaltlichen Ebene nichts damit zu tun, dass sich hier Männer aufs Maul hauen.
Auf einer anderen Ebene kennzeichne ich mit "Halbstarkentum" die Art von Finchers Umgang mit den Geschlechterrollen.
Rajko hält Fincher nicht zu Unrecht für einen "Männerregisseur" und hat das mit dem "Auseinandernehmen und Wieder-Zusammensetzen von Männlichkeit" umschrieben, die nicht ganz umproblematisch ist. In meinen Augen noch schlimmer ist die durch das gesamte Werk von A-Z neben der Spur liegende Schilderung heterosexueller Paare.
Uff. Ich glaube, das führt hier zu weit. Ich motze quer über Foren und Blogs seit Jahren, aber zusammenfassend habe ich es eigentlich nirgendwo richtig analytisch dargestellt. Mein altes "Fight Club" Review in der OFDB stammt von 2004 aus meinen Anfangstagen da, das würde ich heute natürlich anders angehen.
Und sozusagen bei jedem Kommentar nur meine Aversion gegen gewisse Eigenarten Finchers kund zu tun, ermüdet mich auch mit der Zeit. Irgendwie...Irdgendwann...irgendwo...geb ich es ihm richtig :)
Wieder einer dieser Texte, wo mir schmerzhaft bewusst wird, was ich in meinen viel zu kurzen, mit Belanglosigkeiten wie Bürokram, Sitzungen und Wohnungsinstandhaltung angefüllten Tagen alles verpasse: Finchers Filme zum Beispiel. Ich gebe zu, nie einen gesehen zu haben.
AntwortenLöschenNatürlich liegt diesem bejammernswerten Zustand eine bewusste Entscheidung zugrunde: Ich hatte bislang auch nie Lust, mir einen anzusehen...
Zur Bewertungsthematik: Natürlich kann ein solches Zahlensystem nicht funktionieren, wenn man versucht, beim Lesen oder beim Erstellen eines solchen global gültige Kriterien anzuwenden.
Die grossen Klassiker werden beim Bewerten im Grunde durch die selbe subjektive Mangel gedreht wie ein Mainstream-Film, ich glaube, da darf man sich nichts vormachen. Man kann sich eigentlich nur redlich um Objektivität bemühen (wenn man das will oder einen das eigene ethische Empfinden in diese Richtung nötigt), aber ich kann ehrlich gesagt mehr damit anfangen, wenn einer sagt, was er wirklich über Godards Filme denkt, anstatt in den zwangsbegeisterten Chor der Filmhistoriker einzustimmen; so wird mir das Denken und die Welt-, pardon, Filmsicht der bewertenden Person erahnbar und ich kann deren weitere Bewertungen besser lesen und lernen, sie einzuordnen.
Anders geht's, so glaube ich, nicht.
Warum soll es schlimm sein, etwas "neben der Spur" zu schildern? Solche Kritik wiederum finde ich höchst problematisch. Vielleicht geht es ihm ja genau darum, diese "Sonderheiten" zu behandeln...
AntwortenLöschenDieses Männlichkeitsding klingt interessant, kann ich spontan aber nichts dazu sagen...
@gabelingeber: Die Godardwertung gehört zu den oben angesprochenen Problemfällen, in denen sich ziemlich widersprüchliche Eindrücke und Affekte zu einer Note verdichten, die einen anderen Eindruck hinterlässt als der Text und die unkommentiert andererseits falsch gelesen werden könnte. 60% hieße ja eigentlich: gehobener Durchschnitt, aber ein "Durchschnittsfilm" ist "Pierrot le fou" sicher nicht.
AntwortenLöschenUm dem völlig argumentativ gerecht zu werden, bedürfte es eines längeren Textes, der war aber nicht drin (Zeit&Lust).
@Paul: Ganz richtig, selbstverständlich kann man etwas, auch und insbesondere eine Beziehung, "neben der Spur" schildern. Das könnte sogar sehr interessant sein. Ebenso wie es unzählige Verlaufsformen von Beziehungen gibt, gibt es zahllose (vielleicht nicht ganz so viele)künstlerische Verfahren, sie zu schildern. Wenn man über die künstlerische Einfühlung verfügt, welche Situation welcher Inszenierungsart bedarf und ferner, wenn man über die dazu nötigen gestalterischen Mittel verfügt. Manche verfügen souverän über beides, manche treffen hin und wieder intuitiv oder aus Zufall die richtige Wahl.
Im Falle Fincher rührt mein Urteil aus der Beschäftigung mit dem Gesamtwerk her. Was im einzelnen Film vielleicht ein befremdlicher Nebenton war, verstärkt sich im Wiederholungsfall zur störenden Dissonanz. Wenn ich also sage, die Schilderung heterosexueller Paare liegt im Gesamtwerk "neben der Spur", heißt das eben nicht, dass Fincher in einem bestimmten Fall aus künstlerisch überlegten Gründen diese Tonart gewählt hat. Sondern, dass hier eine grundsätzliche künstlerische Unempfindlichkeit, eine künstlerische Unfähigkeit vorliegt, mit einem hoch bedeutenden Ausschnitt menschlicher Wirklichkeit angemessen umzugehen. Besonders im Hinblick auf die nicht gerade geringen künstlerischen Ambitionen, die zumindest einige Fincher-Filme aufweisen, wenn sie uns neue Zugänge zu unserem gegenwärtigen Zivilisationsstand aufzeigen wollen.
Neue Zugänge aufzeigen? Das sind ja große Worte, die ich nicht nachvollziehen kann. Vielleicht kannst du das ja doch mal genauer erläutern. ;)
AntwortenLöschenEinzig bei Fight Club könnte ich mir ansatzweise vorstellen, dass da was dran ist, aber dieser Film ist doch so ironisch und zynisch, dass ich das schon wieder nicht so sehen würde...
In meinen Augen sind die meisten anderen seiner Filme entweder geradlinige (toll inszenierte) Thriller ohne einen tiefgründigen Mehrwert oder haben eher Vergangenheitsbezug als irgendetwas zur Gegenwart zu sagen..
Aber würde mich freuen, da erleuchtet zu werden.. ;)
@Paul: Ich bitte um etwas Geduld mit der Antwort...bin gerade dabei "Sieben" neu zu sichten nach der Diskussion im Autoren-Thread von Adam Kesher :)
AntwortenLöschenbitte, bitte, nur kein Streß.. :)
AntwortenLöschendanke für den Link, das hab ich ja noch gar nicht gesehen!